Der Sozialismus erwuchs im 19. Jahrhundert dem Liberalismus als Konkurrent um die Meinungsführerschaft bei allen „fortschrittlich Gesonnenen“. Vermeintliche und echte Missstände der Industriellen Revolution dienten ihm als Vorwand, eine der wesentlichen Stützen des Liberalismus, das Recht auf (privates) Eigentum, zu attackieren.

Anfänglich gab es noch Versuche, einen auf freiwilliger Selbstorganisation gebauten Sozialismus zu etablieren. Dafür konnten Liberale durchaus Sympathien aufbringen. Meist setzte sich in den Debatten aber ein etatistischer Sozialismus durch, der die gesamte Gesellschaft durch die Zwangsherrschaft des Proletariats oder deren selbsternannte „Eliten“ im Sinne „gerechter“ Einkommens- und Besitzverteilung neu ordnen wollte (zum Beispiel der Marxismus).

Erstmals durch die russische Oktoberrevolution (1917) verwirklicht, sollte diese kommunistische Existenzform in einer nackten Terrorherrschaft münden. Meist schlossen sich die Menschen aber doch einer gemäßigten Form des Sozialismus (Sozialdemokratie) an, die ihre Ziele innerhalb liberaler Verfassungsformen zu realisieren trachtete.

Der so etablierte regulierende und umverteilende Wohlfahrtsstaat stranguliert aber auf Dauer die Wirksamkeit der Marktkräfte so sehr, dass er seine eigenen ökonomischen Grundlagen zerstört. Immer mehr Menschen sehen heute die Notwendigkeit liberaler Reformen ein. Der Sozialismus ist – obwohl in vielen Kreisen immer noch populär – ein gescheitertes Gesellschaftskonzept.

Detmar Doering