Ob es um die Abschaffung von Adelsvorrechten oder die Gleichberechtigung der Frau ging: Gegen Privilegien – Vorrechte – zu kämpfen war stets das Kernanliegen der Liberalen. Warum sollte denn auch jemand Vorteile davon haben, dass er vermittels Machtmonopol die Regeln zu seinen Gunsten ändert?

In der Tat ist der Begriff „Privileg“ so sehr zum Unwort geworden, dass die Privilegienpolitik von heute sich einer scheinbar gegen Privilegien gerichteten Rhetorik bedienen muss. Dadurch haben leider einige Gegner der Liberalen, die den Neid zur Maxime erheben (z.B. die Sozialisten), einiges Terrain zurückgewonnen.
Ihnen sind auch unter fairen, gleichen Regeln zustande gekommene Unterschiede ein Gräuel. Sie erfanden für die Menschen, die man früher schlicht „arm“ nannte, den Begriff „unterprivilegiert“. Das Feinbild wird dadurch logischerweise, der verabscheuenswürdige „Überprivilegierte“.
Ungesagt bleibt hingegen, dass bei einer solchen Logik der „normale“ Soll-Zustand wohl nur privilegiert sein kann – und zwar irgendwie genau richtig „privilegiert“, was immer das auch heißt.

Dem entspricht der Hang der heutigen Politik, jeden Menschen und jeden Lebensbereich von gleichen Regeln auszunehmen. Stattdessen ist die umfassende Beförderung von Sonderinteressen angesagt. Kurz: Die ganze Gesellschaft wird auf einmal zur Privilegienspielwiese.

Privileg nicht nur (wie früher) für einige Auserwählte, sondern das Privileg als Volkssport ist der Traum der Politik geworden. Er kann uns teuer zu stehen kommen. Liberale sollten sich daran erinnern, dass sie nicht gegen „Unterprivilegierung“ kämpfen, sondern gegen „Privilegierung“.

Detmar Doering