Das Verhältnis der Liberalen zur Macht war immer ein ambivalentes, obwohl nicht erst seit Kant der Zusammenhang von Macht und Staat bekannt war. Im Rotteck- Welkerschen "Staatslexikon" (2. Auflage, Band 12, Seite 343) taucht der Begriff gar nicht auf, vielmehr verweist dieses unter dem Stichwort "Staatsgewalt" sogleich auf die "Staatsverfassung", was das liberale Unbehagen an der Macht zumindest für den Vormärz dokumentiert.

Im späteren 19. Jahrhundert wurde daraus in nationalliberalen Kreisen durchaus ein Behagen, und Friedrich Naumann verfasste 1895 das berühmte Diktum: "Was nützt die beste Sozialpolitik, wenn die Kosaken kommen? Wer innere Politik treiben will, der muss erst Volk, Vaterland und Grenzen sichern, er muss für nationale Macht sorgen." Am Ende des Kaiserreiches trat aber auch er dafür ein, die Macht des Staates durch Grundrechte und ähnliche zu beschränken.

Auf die Dauer gesehen hat sich allgemein im Westen das liberal-demokratische Modell von (Staats-)Macht durchgesetzt: Macht muss durch Votum per Gesetz legitimiert sein, ihre Ausübung muss zeitlich begrenzt und durch Kontrollinstanzen überprüfbar sein, das heißt dem Modell von "checks and balances" entsprechen.

Während damit in den westlichen Medien zumindest die Frage staatlicher Macht gelöst zu sein scheint, obwohl sie auch hier immer wieder neu austariert wird, dürfte sich in Zukunft das Augenmerk darauf richten, wie der Einfluss nichtstaatlicher, gesellschaftlicher Macht (Interessengruppen, internationale Konzerne, internationale NGO's), aber auch von internationalen, nicht durch Wahl legitimierten oder kontrollierten Zusammenschlüssen kanalisiert werden kann, damit diese nicht die legitimierte Staatsgewalt und damit die demokratische Willensbildung unterläuft.

Jürgen Frölich