Ein wenig Dauerhaftigkeit und Stabilität im Leben – diesen Wunsch hegt wahrscheinlich fast jeder Mensch. Und es stimmt: Ein Leben ohne ein Minimum an solcher Stabilität wäre wohl zum Scheitern verurteilt. Dies gilt auch für die Politik. Zwar ist der Konservative der natürliche Ur-Gegner der Liberalen, aber auch liberale Zielsetzungen, wie etwa die Rechtsstaatlichkeit, lassen sich nur realisieren, wenn ein gewisses Maß an Kontinuität herrscht.

Das Denken des Konservatismus verabsolutiert aber diesen Aspekt. Der Erhalt des historisch Tradierten kann nicht Selbstzweck sein. Selbst intelligenteren Konservativen, die einer vorsichtigeren Reformpolitik aufgeschlossen sind, fehlt jede eigene Zielperspektive dafür. Dafür borgen sie sich meist ihre Vorstellungen von anderen. Im Allgemeinen bevorzugen sie dabei machtstaatliche Positionen, wie etwa die des Sozialismus oder des Korporatismus. Ständeordnungen (für die sie ursprünglich gegen die französische Revolution kämpften) finden ihre besondere Unterstützung. Selbst im liberalen Gewand sind Einzelne schon aufgetreten, nachdem der Liberalismus sich etabliert hatte. Dass Konservative meist eine „bestehende Moral“ mit politischen Mitteln zu erhalten trachten, lässt sie oft intolerant gegenüber Wertewechseln und Wertepluralismus auftreten.

Das trennt sie scharf von den Liberalen, die stets an die Offenheit aller gesellschaftlichen Entwicklung glaubt und diese Entwicklung nicht einfach an einer beliebigen „Jetztzeit“ anhalten wollen.

Detmar Doering