Die Idee des permanenten Fortschritts ist ein Phänomen des neuzeitlichen Europas. Erst die Denker der Aufklärung meinten zu erkennen, dass der Menschheitsgeschichte ein Zug zur permanenten Verbesserung der menschlichen Lebensverhältnisse, zur immer weiteren Beherrschung der Natur und zur wachsenden Vervollkommnung der einzelnen Menschen unterliegt.

Im Gefolge von Kant und Hegel fand die Fortschrittsidee Eingang in den Liberalismus, aber auch den Sozialismus und seine Spielarten, während Konservative ihr eher skeptisch gegenüber stehen.

Von der sozialistischen Fortschrittsauffassung unterscheidet sich die liberale Fortschrittsidee vor allem dadurch, dass der Fortschritt sich nicht auf ein, ggf. wissenschaftlich nachweisbares Ziel – etwa die kommunistische Gesellschaft richtet, sondern prinzipiell offen und der Fortschrittsprozess mithin unabschließbar ist.

Aus dieser für Liberale grundlegenden Überzeugung folgt, dass sie a: eine grundsätzlich optimistische Weltanschauung vertreten. Und b: richten sie ihre Politik darauf aus, dass, da niemand das genaue Ziel der Weltgeschichte kennt, jeder einzelne Mensch seinen Beitrag zum Fortschritt leisten kann und soll, indem er seine Fähigkeiten so weit wie möglich entwickelt und ausübt, wozu ihm allerdings auch im Gegenzug die größtmögliche Freiheit gegeben werden muss.

Jürgen Frölich