Ja, Bürgergesellschaft, aber lieber nicht "Zivilgesellschaft". Die heute im politologischen Sprachgebrauch so beliebte Zivilgesellschaft ist eine Übertragung aus dem Englischen. In der "civil society" ist "civis", der Bürger, ganz deutlich zu erkennen, während im Deutschen "zivil" eher einen Gegensatz zum Militärischen meint. Civil society ist nichts anderes als die Bürgergesellschaft, und die macht das Herzstück des Liberalismus aus. Der liberale Bürger ist derjenige, der sich über die Teilnahme an Wahlen und das Steuerzahlen hinaus dem Gemeinwesen verpflichtet weiß. Er kommt für sich selbst auf, und er ist auch jenseits der eigenen Interessen im Ehrenamt, im politischen Amt, in sozialem oder kulturellem Engagement tätig. Je mehr Bürger dieses Zuschnitts es gibt, desto lebendiger ist die Bürgergesellschaft.

Heinz Murmann